Nordsee Ferienwohnung Ostfriesland Kossmann














Von Deichen, Sielen und Schafen

So prägend wie die Alpen für Bayern, so prägend dürften die Deiche und das Meer für Norddeutschland sein. Nur wenige Menschen die ihren Blick vom Deich auf die offene See genießen, machen sich wirklich Gedanken über Entstehung und Wichtigkeit dieser gewaltigen Bauwerke. Die Deichbauleistung der damaligen Küstenbewohner wird gerne mit der Errichtung der Chinesischen Mauer verglichen. Auch die Deiche der deutschen Küste weisen, dem chinesischen Bauwerk ähnlich, eine sehr beachtliche Länge auf und die Bewegung von unglaublichen Erdmassen mit einfachsten Werkzeugen zu damaliger Zeit ist nicht minder bewundernswert, wie der Chinesische Schutzwall selbst.

Ein Deich ist ein von Menschenhand erschaffener Damm, der Land, welches unter dem Meeresspiegel oder nur wenig höher liegt, vor Überflutungen durch die Gezeiten oder Stumfluten schützt.


Seit der Besiedlung der Küstenregionen versuchten die Menschen sich vor der tödlichen Gefahr des Wassers zu schützen. Zunächst geschah dies durch das Aufschütten von Erhebungen, um einzelnen Häusern oder kleineren Gruppen von Häusern durch diese erhöhte Bauweise einen gewissen Überflutungsschutz zu geben. Doch was nützte dem Friesen eine geschützte Behausung, wenn die Wassergewalten der Nordsee ihm durch Landabbrüche die Lebens- und Überlebensgrundlage entzogen. Aufgrund dieser Erkenntnis nahmen die Menschen die Kraftanstrengung auf sich ein Bauwerk in gemeinschaftlicher Arbeit zu ihrem gemeinschaftlichen Schutz zu errichten. Der damalige Spruch: “Wer nicht will mitdeichen, der muss weichen!” verdeutlicht wie wichtig die Beteiligung am Deichbau für Mitglieder der damaligen Gemeinschaft war, zumindest wenn sie Mitglieder der selbigen bleiben wollten. Im Verlaufe der Jahrhunderte wurden die Deiche immer weiter in ihrer Höhe und Breite ausgebaut, bis sie ihre heutige Form erhielten. Dieser Prozess ist selbstverständlich nicht abgeschlossen, denn es erfolgt eine stetige Anpassung des Deiches an die sich verändernden Bedingungen an der Küste und des Meeresspiegels. Die Höhe des Deiches selbst ist abhängig von der entsprechenden Überflutungsgefahr und der jeweiligen Landschaft.

Heutige Deiche verfügen in ihrem Inneren über einen Kern aus Sand über den eine etwa zwei Meter dicke Schicht Kleiboden gelegt ist. Die Außenfläche des Deiches wird durch eine Grasnabe gebildet. Zur Seeseite fallen die Deiche sehr flach ab. Dies soll zum einen verhindern, das den Wassermassen zu viel Angriffsfläche geboten wird und zum anderen sollen sich bei Sturmfluten die herantobenden Wellen “totlaufen”, also schon möglichst viel ihrer zerstörerischen Energie verlieren. Die Landseite des Deiches verläuft nicht ganz so flach, sondern etwas steiler. Aber auch hier ist wichtig, das der Deich nicht zu steil ausläuft, um Brüche in der Deichlinie zu verhindern. Auf der Landseite des Deiches sind Deichwehrwege zu finden. Über diese Wege werden im Bedarfsfall Sandsäcke und anderes Befestigungsmaterial herangefahren.

Hat man dem Meer neues Land abgerungen, so wird dieses eingedeicht. Dieses neue, durch Eindeichen gewonnene Land, nennt man in Ostfriesland und in den Niederlanden Polder. Der alte, nun mehr landeinwärts gelegene Deich, nennt man Schlafdeich. Der neue Deich schützt das gewonnene Land direkt vor Überflutung, da die Landfläche teils unter dem Niveau des Meeresspiegels liegt. Bis in die 50iger Jahre wurden Polder zum Zwecke der Landgewinnung, also aus wirtschaftlichen Gründen angelegt. Heute liegt der damit verbundene Küstenschutz im Blickpunkt des Handelns.

Das hinter dem Deich gelegene Land ist in der Regel Marschland. Dieses Marschland bedarf der permanenten Entwässerung, da es sich sonst in relativ kurzer Zeit in eine Sumpflandschaft verwandeln würde. Um dieses zu verhindern ist es durchzogen von Gräben und Kanälen. Durch diese wird das Wasser abtransportiert und fließt zu sogenannten Sielen. Bei einem Siel handelt es sich um einen verschliessbaren Durchlass in einem Deich, durch den das Wasser ins Meer abgelassen werden kann, ohne das bei Flut Wasser ins Land eindringen kann. Normalerweise sind die Tore eines Sieles geöffnet, so dass Wasser durch den Deich hindurch abfliessen kann. Bei auflaufendem Wasser (Flut), drückt der Wasserdruck des Seewassers die Sieltore von aussen zu und kann somit nicht das Deichhinterland überfluten. Bei ablaufendem Wasser (Ebbe) lässt der Wasserdruck von der Seeseite nach, und das sich hinter dem Siel aufgestaute “Binnenwasser” drückt nun seinerseits die Sieltore auf und kann in das Meer abfliessen. Anstelle von Sielen kann die Entwässerung des Deichhinterlandes auch durch Pumpstationen gewährleistet werden.

Deiche bedürfen der ständigen Kontrolle und Pflege. Einen wichtigen Beitrag zur Deichpflege übernehmen Schafe. Sie weiden die Grasnabe ab und halten sie so schön kurz damit sich die Graswurzeln kräftigen und ausbreiten. Dabei verdichten sie mit ihrem Gewicht und ihren kleinen Klauen die Grasnabe zusätzlich und gewährleisten so die Festigkeit der Deichoberfläche. Kühe sind für diese Aufgabe ungeeignet. Diese knabbern das Gras nicht ab, wie Schafe es tun, sondern sie “reissen” das Futter. Darüber hinaus sind Kühe zu schwer und würden mit ihrem Gewicht an den abfallenden Deichseiten mehr Schäden als Nutzen spenden. Somit hat das Schaf zur Wahnehmung dieser wichtigen Aufgabe, als ökologische Rüttelmaschine in der Deichpflege ganz klar die Nase vorn.


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