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Die ostfriesischen Häuptlinge zur Zeit des Piraten Störtebeker

Zur Zeit der Piraten um Klaus Störtebeker gab es in Ostfriesland machtbewusste Häuptlinge. Zu nennen seien hier: Enno Attena zu Norden, Hero Attena zu Dornum, Folkmar Allena zu Osterhusen, Focko Ukena zu Neermoor, Siebrand zu Loquard, Enno Haytetsna zu Larrelt, Edo Wiemken im Jadegebiet, Luitet Attena zu Nesse, Probst Hisko Abdena zu Emden und Haro Edzardisna zu Greetsiel. Doch ein ostfriesisches Häuptlingsgeschlecht ist mit dem Piraten Störtebeker verbunden, wie kein anderes.

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts war die im Brookmerland anstämmige Häuptlingsfamilie tom Brook bestrebt, ihren Einfluss auf ganz Ostfriesland auszuweiten. Zu dieser Zeit wurde das ganze Gebiet zwischen dem Dollart im Westen und dem Jadebusen im Osten unter der Bezeichnung Ostfriesland zusammengefasst. Das damalige Ostfriesland umfasste das Brookmerland, Moormerland, Auricherland, Lengenerland, Emsigerland, Overledingerland, Rheiderland, Harlingerland, Wangerland, Saterland, Rüstringen und Östringen. Als Ommeland wurden die Ländereien westlich der Ems, also die Gegend um Groningen, bezeichnet. Das Land, welches von der Lauwers-Bucht und der Zuidersee begrenzt wurde, war Westfriesland. Westwärts hiervon war die Grafschaft Holland zu finden.

In seinem Bestreben nach Machtausweitung versprach sich Ritter Ocko I. tom Brook Zuspruch durch Herzog Albrecht von Bayern, der ebenfalls den Titel Graf von Holland innehatte. Zu diesem Zweck unterzeichnete Ocko I. einen Lehensvertrag mit Herzog Albrecht. Als Ocko I. 1390 auf gewalttätige Art und Weise, durch Machenschaften des Häuptlings von Osterhusen Folkmar Allena, zu Tode kam, hinterließ er Foelke seine Frau, einen Sohn mit Namen Keno, zwei Töchter mit den Namen Tetta und Ocka, und den unehelich geborenen Sohn Widzel. Keno hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht seine Volljährigkeit erreicht, so dass er unter der Vormundschaft seiner Mutter Foelke stand. Die Fortführung der Aufgaben eines Häuptlings lag bis zur Volljährigkeit Kenos bei seinem unehelichen Bruder Widzel.

Widzel bemühte sich um Stärkung seiner neuen Stellung durch eine Erneuerung des Lehensvertrages mit Herzog Albrecht und der Aufnahme freundschaftlicher Beziehungen zu ihm, obwohl er sich darüber im klaren war, dass er die Häuptlingsgeschäfte lediglich bis zur Volljährigkeit und damit Machtübernahme Kenos führen konnte. Da Herzog Albrecht sich bereits Groningen und das westliche Friesland in seinen Herrschaftsbereich einverleibt hatte, versprach sich Widzel durch sein taktieren, dass Albrecht seine Hände nicht nach Ostfriesland ausstrecken würde.

In diese Zeit fällt das Erscheinen der ersten Seeräuber um Klaus Störtebeker, den sogenannten „Vitalienbrüdern“ oder auch „Liekedeeler“ also „Gleichteiler“, in der ostfriesischen Küstenregion. 1396 sollen die Schiffe der Seeräuber um Klaus Störtebeker erstmals Marienhafe angelaufen haben. Um Sicherheit vor Nachstellungen durch von Seeräuberei geschädigten hanseatischen Händlern zu finden, hielten sie nach geeigneten Häfen ausschau, die ihnen darüber hinaus auch den Verkauf der geraubten Güter ermöglichten. In dem Ort Marienhafe fanden die Seeräuber genau was sie suchten. Marienhafe erhielt durch den Einbruch der See im Laufe mehrerer schwerer Sturmfluten einen Meereszugang und hatte sich zu einem, zu seiner Zeit, nicht unbedeutenden Hafenort entwickelt. Widzel gewährte den Piraten Zugang zu seinem Hafen in dem Wissen, dass er sich durch diese Handlung den Unmut der Hanse zuziehen würde.

Im Jahre 1399 verlor Widzel in Detern unter ungeklärten Umständen sein Leben. Fortan lag die Führung des Hauses tom Brok bei dem noch minderjährigen Keno. Da Keno zur Wahrnehmung der Häuptlingsgeschäfte noch nicht volljährig war, standen ihm zunächst seine Mutter und der Geistliche Kaplan Almer zur Seite. Die vollständige Machtübernahme Kenos dürfte um das Jahr 1400 erfolgt sein.

Die politische Bindung zwischen dem verstorbenen Widzel und Herzog Albrecht war Keno stets ein Dorn im Auge. Hatte diese doch die Stellung Widzels hervorgehoben und die des minderjährigen Häuptlingsanwärters Keno in die zweite Reihe verbannt. Auch der Gedanke in einem Lehnsverhälnis zu stehen war ihm unerträglich und für den jungen Häuptling keine Option. In der Konsequenz seines Handels beendete er das politische Verhältnis zu Herzog Albrecht von Holland. Den Piraten, denen schon Widzel Zugang zum Hafen gewährt hatte, erlaubte jedoch auch Keno den Verbleib in Marienhafe. Nicht ganz ohne Hintergedanken, denn hierdurch ergab sich eine Situation von der beide Seiten, sowohl Häuptling Keno als auch die Piraten profitierten. Sicherheit, Unterkunft und Handelsplatz für die Seeräuber und zusätzliche Kämpfer unter Waffen, die dem neuen Häuptling Keno in Zeiten der Bedrohung von Nutzen sein konnten. Weitere ostfriesische Häuptlingsgeschlechter erkannten ebenfalls diese Vorteile und verfuhren ähnlich. Auch sie bedienten sich der Piraten, um ihre Herrschaft zu festigen oder ihren Herrschaftsbereich auszuweiten. Hierdurch wurde der ostfriesische Küstenraum sehr attraktiv für Seeräuber und ihre Zahl an den Küsten der Nordsee stieg stetig an. Die Bedrohung der Handelsschiffahrt durch das zunehmende Seeräubertum auf den Gewässern der Nordsee führte zu ernsten Verstimmungen mit der Hanse und zum Streit mit Herzog Albrecht.

Auch in diesen Tagen bieten die Geschichten des Häuptlingsgeschlechts tom Brook und besonders die um den Piraten Störtebeker interessierten Urlaubern reichhaltige Möglichkeiten sich mit der ostfriesischen Geschichte zu beschäftigen. Noch heute steht in Marienhafe der Turm in dem Klaus Störtebeker in stürmischen und kalten Jahreszeiten wohnte und seine nächsten Beutezüge plante.


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